Fino + Agility = Spaß für 2

„Horse-Agility? Davon hab‘ ich noch nie gehört … was ist das denn?“, so hätte noch bis vor einem Jahr meine Antwort gelautet, wenn man mich auf das Thema angesprochen hätte. Aber dann stieß ich bei Youtube zufällig auf ein Video, das mich mit seiner Dynamik auf Anhieb begeistern konnte: Es zeigte ein Pferd, das ganz frei ohne Halfter und Strick neben einem Mann herlief und dabei spielerisch verschiedenste Trailhindernisse bewältigte.

So sprang es beispielsweise durch einen Ring, lief über Planen und Brücken, durch Slaloms und einen Tunnel, vergleichbar mit einer Agility-Prüfung, wie man sie aus dem Hundesport kennt.
Dass es diese Disziplin auch für Pferde gibt, war mir bis dahin nicht bekannt und nach dem Motto „öfter mal was Neues“ dachte ich mir, das könnte vielleicht auch etwas für meinen Corazon del Rio und mich sein. Kurz entschlossen schaute ich mich nach Kursen um und, siehe da, schon ein halbes Jahr später sollte ein Horse-Agility-Kurs ganz in der Nähe stattfinden, für den ich mich gleich anmeldete.

Im Oktober 2014 war es dann so weit: Nachdem ich am Freitag zum Kursort geritten war, mein Schimmelchen untergebracht und beim Aufbau des Parcours mitgeholfen hatte, ging es am nächsten Tag in Dreiergruppen los.
Zunächst wurden die Pferde zum Aufwärmen durch Dualgassen bewegt und dann in Ruhe an die verschiedenen Hindernisse herangeführt, natürlich erst einmal ganz normal mit Halfter und Führstrick. Wir fingen mit der Holzbrücke an, die mein Pferd ohne großes Zögern überquerte. Der Flattervorhang aus Poolnudeln und Luftballons dagegen war Corazon sehr suspekt, aber nach viel gutem Zureden nahm er all seinen Mut zusammen und stürmte hindurch – großes Lob und gleich nochmal … beim zweiten Versuch klappte es schon viel besser und mit mehr Ruhe.
Als Nächstes folgte eine Planengasse mit Luftballons und obwohl er sich dort sehr vorsichtig vorantastete, platzte ein Ballon mit lautem Knall, was ihm einen gehörigen Schrecken einjagte. Trotzdem rannte er nicht davon, sondern zuckte nur zusammen und machte einen Satz nach vorne; er ließ sich aber schnell wieder beruhigen. Der etwas wackelig anmutende Tunnel und der Planenvorhang waren kein größeres Problem, folgsam tappte er hinter mir her durch diese beiden Hindernisse.
Danach hieß es Anlauf nehmen, um über die Cavaletti zu springen, und hinterher wieder zu bremsen, um sich im Schritt durch den Slalom zu schlängeln. Auch das klappte prima, also wurde Corazon wieder feste gelobt und bekam ein Leckerli zugesteckt – so langsam fand er Gefallen an der ganzen Sache. Zum Schluss gab es noch einen aus Poolnudeln zusammengesteckten Ring, durch den die Pferde springen sollten. Diesen Ring fand mein Herzchen ausgesprochen gruselig und musste das Ganze erst einmal ausgiebig beschnuppern und laut anschnauben. Durchspringen – nein danke! Also wurde der Ring unten auseinandergebastelt, sodass man erst einmal normal durchlaufen konnte, ich ging mit gutem Beispiel voran, mein Pferd hinterher. Geschafft! Prima, noch einmal großes Lob und dann war die erste Übungsstunde schon vorbei.

In der zweiten und dritten Stunde schafften wir es schließlich, den Ring auch springend zu bewältigen, die anderen Hindernisse wurden auch noch einmal geübt,  verfeinert oder etwas schwieriger gemacht, beispielsweise wurde die Holzbrücke zu einer Wippe umfunktioniert. Und wir sollten nicht mehr voranlaufen und die Pferde hinter uns her führen, sondern immer mehr dazu übergehen, außen an den Hindernissen vorbeizulaufen und die Pferde möglichst nur mittels Körpersprache durch den Parcours zu schicken.
In der letzten Kursstunde durften dann alle zeigen, was sie gelernt hatten. Und nachdem vorher alles recht gut geklappt hatte, nahm ich meinem Pferd das Halfter ganz ab, drückte der Kursleiterin die Kamera in die Hand und bat sie, ein paar Fotos von uns zu knipsen. Als Erstes machten wir einen Probedurchlauf im Schritt und dann probierten wir es etwas schneller: über die Brücke, dann Anlauf nehmen und im Tölt durch den Flattervorhang, etwas langsamer durch die Luftballons, im Galopp durch den Tunnel und den Planenvorhang, Sprung über die Cavaletti, dann abbremsen zum Schritt und das Pferd ganz elegant mit Handzeichen und durch Ein- und Ausdrehen der Schulter durch den Slalom lotsen, danach wieder angaloppieren für den Sprung durch den Ring. Super, geschafft!

DSC 4264DSC 4268DSC 4274DSC 4276

 

Mein Pferd bekam sein Belohnungsleckerli und ich freute mich über das Lob der Kursleiterin, die ganz begeistert von uns war. Denn obwohl mein Fino sich zu Anfang mehr vor den Hindernissen gefürchtet hatte als die meisten anderen Pferde (außer uns waren Haffis, Quarter Horses, Norweger, ein Paint und ein Connemarapony mit dabei), war sein Vertrauen letzten Endes größer als seine Angst, er ist mit seiner Aufmerksamkeit immer bei mir geblieben und hat sich finotypisch sehr angestrengt, alles richtig zu machen. Ich war sehr stolz auf mein tolles, mutiges Pferdchen!

Nach dieser Erfahrung kann ich sagen: „Horse-Agility? Das ist super … ich kann es nur empfehlen!“. Der Kurs hat sowohl mir als auch meinem Fino großen Spaß gemacht, mein Schimmelchen ist über sich hinausgewachsen und für mich war es eine gute Gelegenheit, um die Kommunikation mit meinem Pferd und die eigene Körpersprache zu verfeinern.

Bericht und Fotos von Birgit Bauer